Liebe Vereinsmitglieder und Partner,

im Februar waren wir wieder für zwei Wochen bei unser Partnerschule in Konso/Äthiopien. Wir waren diesmal zu zweit aus Berlin gekommen (Vera und Axel) und sind dann mit zwei Freunden (Solomon Gandhi und Sami) aus Addis Abeba nach Konso gefahren.

Zunächst ging es darum einige Wartungsarbeiten nach mehr als einem Jahr nach Übergabe der Schulräume zu machen. Außerdem gab es Probleme mit Termiten, welche die Rückwand befallen hatten. Wir waren sehr erleichtert, dass die Termiten nur in der Rückwand Schäden angerichtet hatten. Es sind zum Glück keine tragenden Balken und Stützen befallen! Als wir ankamen, waren die Arbeiten schon in vollem Gange und selbst unsere äthiopische Begleiter waren von der Betriebsamkeit und Produktivität sehr beeindruckt. Folgende Arbeiten wurden in 10 Arbeitstagen verrichtet:

- Bekämpfung und Verhinderung neuer Termitenstämme
- Sanierung der kompletten Rückwand
- Reparatur von fünf Fenstern
- Verputzen der Rückwand mit Zement (damit ist gewährleistet, dass sich die Termiten nicht wieder einnisten können)
- Vordach mit Wellblech verlegt (das Grasdach hat sich nicht bewährt, die Wellblechvariante ist für die Bedingungen in Konso besser geeignet)
- Reparatur der bereits vorhandenen Zisterne zum Auffangen und Speichern von Regenwasser
- Bau einer Rundbank um einen Schattenbaum (beliebter Platz für Schüler und Lehrer)
- Kompostplatz angelegt
- Mülltrennung Natur/Plaste durch Aufstellen von Müllbehältern eingeführt
- 27 Schulbänke gebaut und dabei die alten kaputten Metallrahmen recycelt

Da wir sehr gut voran kamen, konnten wir noch Arbeiten im Außenbereich machen und sogar neue Schulbänke bauen. Mit der Zeit kamen immer mehr Schüler, Lehrer und Leute aus dem angrenzenden Dorf dazu, die uns beim Bau der Schulbänke halfen. Das ganze entwickelte eine betriebsame Eigendynamik und am Ende war die ganze Schule inclusive Lehrer mit dabei. Zum Abschluss gab es noch eine kleine Feier mit Guacamole-Verköstigung zu der viele Bekannte aus Konso, Lehrer, Schulminister und die Stammes-Ältesten des Konso Clans vorbei schauten. Zu diesem Anlass überreichten wir Schulbücher für die Schulbibliothek, die wir vorher in Arba Minch von den Spendengeldern gekauft hatten. Großen Dank gebührt unserm Projektleiter vor Ort Tariku, der im Vorfeld alles bestens organisiert hatte und großen Anteil daran hat, dass wir in der kurzen Zeit so viel erreich haben.

Es wird dazu auch wieder ein Videoclip hergestellt, den wir euch gerne bei unserem nächsten Treffen zeigen möchten.

Zunächst einmal habt ihr die Möglichkeit die Fotos auf facebook oder hier zu bestaunen.

Politische Situation in Konso:

Schon während unseres Aufenthaltes war uns die massive Armeepräsens (South police) in Konso aufgefallen. Mehrere Straßensperren, Soldaten mit Sturmgewehr im Anschlag kontrollierten alle Fahrzeuge. Hintergrund ist die Forderung der Konso Bevölkerung nach einer neuen und eigenständigen Verwaltung. Die von der äthiopischen Regierung eingesetzte Verwaltung gilt als korrupt und die Zusammenlegung mit vier anderen Stämmen der Region in einen Verwaltungsdistrikt als ineffizient und ungerecht für die Konso. Dabei berufen sich die Menschen in Konso auf die föderale Verfassung, die den Völkern Äthiopiens administrative Selbstbestimmung garantiert. Clanchef Kalla Gezahegne ist traditionelles Oberhaupt des neunten Clans und Vorsitzender des Ältestenrates der neun Clan-Gruppen. Er fungiert außerdem als Mediator bei Konflikten zwischen Stämmen in der Region. Unter anderem arbeitet er mit der GIZ zusammen, die über ihn ein Porträt ins Netz stellte.

>>Der Friedensfürst<<


Ich kenne ihn seit 2010 und durch seine Vermittlung haben wir unsere Partnerschule in Konso/Sorobo gefunden. Bei unserem letzten Treffen am 21.02.2016 erzählte er mir, dass er in den letzten Wochen von Geheimpolizei und Regierungsvertretern aufgefordert wurde, sich gegen die Forderung seiner Leute zu stellen. Dies lehnte er unter Verweis auf die Loyalität zu seinen Leuten und den andauernden Problemen mit der Verwaltung ab. Es wurde von ihm ein Vermittlungsangebot unterbreitet, welches zunächst einen Dialog zwischen Regional Vertretern und Verwaltungsbehörde beinhaltete. Letzter Stand war bei unser Abreise war, dass sich die Regierungsvertreter dazu noch nicht geäußert hatten. Am 05.03. wurde Kalla schließlich zu einem erneuten Treffen mit Regierungsvertretern geladen, was aber nur dem Vorwand diente, ihn zu verhaften. Er wurde gezwungen seine traditionelle Kleidung abzulegen, was für die Konso einer kulturellen Vergewaltigung gleich kommt. Kalla wurde ohne richterliche Legitimation nach Arba Minch ins Gefängnis der Regierung verschleppt. Anschließend versuchte die Bevölkerung von Konso durch Straßensperren die Armee daran zu hindern, den Clanchef außerhalb von Konso zu bringen. Dabei sollen Soldaten auf die Leute geschossen haben. In den folgenden Wochen gab es mehrere friedliche Demonstrationen in Konso, wobei die Armee versuchte die Leute zu provozieren. Nicht nur mit Tränengas sondern auch mit scharfer Munition wurde wahllos in die Menge geschossen, wobei zwei Menschen getötet wurden. Dennoch ließen sich die Menschen von Konso nicht einschüchtern und setzten ihren friedlichen Protest fort. Eine Demonstration von 10 000 Menschen ging 100 km bis in die Verwaltungshauptstadt Arba Minch in der Kalla Gezahegn fest gehalten wurde. Ich habe die Vorgänge an Amnesty International, das deutsche Außenamt, die GIZ, die deutsche Botschaft in Äthiopien und unzähligen Auslandskorrespondenten einschlägiger Zeitungen und Nachrichtenmagazine ala Couleur berichtet. Lediglich Amnesty hat und ein früherer Journalist der Taz hat sich bei mir gemeldet. Letzterer meinte nur, dass derartige Themen zur Zeit keinen interessieren, da Deutschland gerade zu sehr mit sich selbst beschäftigt ist und die wirtschaftlichen Verflechtungen mit Äthiopien (Agrarsektor) nicht gefährdet werden sollen. Doch anscheinend hat sich durch die vielen Proteste etwas auf der politischen Ebene in Äthiopien bewegt. Mehrere äthiopischen Politiker haben sich zu Wort gemeldet und für eine friedliche Beilegung des Konfliktes eingesetzt. Eine Delegation der äthiopischen Regierung ist schließlich nach Arba Minch gefahren und hat die Freilassung von Kalla Gezahegn und zweihundert anderen Gefangene veranlasst. Seit dem gibt es Verhandlungen mit lokalen Vertretern der Konso über eine Verwaltungsreform. Der Ausgang ist ungewiss, aber die Tatsache, dass überhaupt Verhandlungen aufgenommen wurden und nicht wie sonst mit militärischer Gewalt unterdrückt werden, stimmt hoffnungsvoll. Ich halte euch über die Entwicklungen auf dem Laufenden.