Bericht: Treffen Green Ethiopia – Koyo-Schule am 05.01.2012
Vorgeschichte: Bei der Recherche für einen geeigneten Partner zur Verwirklichung des Projektes „one tree for the future“ an der Koyo-Schule hatte sich eine  Zusammenarbeit mit der Stiftung Green Ethiopia heraus kristallisiert.  Seit Sommer 2011 hatte ich mich mit dem Projektmanager Simon Pfister über die Vorgehensweise bei der Verwirklichung unseres Baumprojektes beraten.

Die von dem Schweizer Kurt Pfister gegründete Stiftung Green Ethiopia ist seit 15 Jahren im Bereich Aufforstung in Äthiopien tätig und konnte bereits mehr als 50 Aufforstungsprojekte realisieren.  Green Ethiopia betreibt in der ca. 20 Kilometer von der Koyo-Schule entfernten Stadt Weliso eine Baumschule und ist mit der örtlichen Administration bestens vernetzt. 

Auf Grund dieser Erfahrung und Kompetenz wurde eine Zusammenarbeit zwischen Green Ethiopia und VivaHumanidad e.V. für das von der UNESCO ausgezeichnete Baumprojekt „one tree fort the future“ anvisiert.  In einem ersten Treffen mit der Schulleitung  und Vertretern der Dorfgemeinschaft, das wir für Januar 2012 angesetzt hatten,  sollten die Bedingungen und Voraussetzungen für eine Kooperation besprochen werden.

Treffen mit Green Ethiopia Stiftung und Besprechung mit Projektteilnehmern
Teilnehmer:  Simon Pfister , Projektmanager Green Ethiopia,  Axel Steinhagen Projektmanager VivaHumanidad, Mr. Wondimu – Vertreter Koyo-Community, Mrs. Negassi – Schuldirektorin Koyo-Schule, Mr. Wako – Koordinator und weitere Lehrer und Vertreter der Dorfgemeinschaft Koyo

Am 5.1.2012 ging es früh morgens mit einem Geländewagen von Addis Abeba zunächst nach Weliso, wo wir mit Simon Pfister von Green Ethiopia eine Vorbesprechung hatten. Mir war es wichtig, dass Green Ethiopia ihre Vorstellungen für die Realisierung des Projektes „one tree for the future“ gegenüber unseren Projektpartnern in Koyo klar zum Ausdruck bringt. Ich habe mich deshalb im Hintergrund gehalten und die wichtigsten Aussagen und Ergebnisse dieser Besprechung  in einem Kurzfilm dokumentiert (siehe Anlage).

Nach Ankunft und Begrüßung von Schülern und Lehrern der Koyo-Schule wurde der für die Baumschule vorgesehene Platz besichtigt. Die Schulleitung und die Dorfgemeinschaft haben damit begonnen Pflanzungen für Bäume auf dem Schulgelände anzulegen. Dabei wurden hauptsächlich  Eukalyptusbäumen angepflanzt, die zwar schnell wachsen, doch auf lange Sicht die Erosion nicht stoppen können und den Boden kaputt machen. Simon erläuterte die Nachteile des Eukalyptus gegenüber den einheimischen Bäumen an Hand von Beispielen aus unmittelbaren Umgebung. Dieses Thema zeigt, wie wichtig die Bildung im Bereich Naturkunde und Naturschutz in den ländlichen Gebieten Äthiopiens ist. Besonders die Zusammenhänge von Wasserkreislauf und einheimischen Baumbestand müssen vorab vermittelt werden, damit ein nachhaltiger Effekt bei der Aufforstung erzielt werden kann.

In einer drei stündigen Sitzung mit Schulleitung und Vertretern der Dorfgemeinschaft wurden folgende vier Maßnahmen für die Realisierung des Projektes vorgeschlagen, welche nun in der nächsten Stufe von den Verantwortlichen der Bezirksverwaltung und weiteren Repräsentanten der Dorfgemeinschaft beschlossen und schriftlich beurkundet werden sollen:

  1. Naturkundeunterricht über die Bedeutung und den Einfluss von einheimischen Bäumen auf den Wasserkreislauf und das ökologische Gleichgewicht an der Koyo-Schule. Die Schule erklärt sich dafür verantwortlich dieses Thema im Lehrplan mit aufzunehmen. In den verwendeten Schulbüchern gibt es zu diesem Thema mehrere Abhandlungen. Der Unterricht soll verstärkt auf dieses Thema eingehen.
  2. Einrichtung eines Schulgartens auf dem Schulgelände in dem das theoretische Wissen des Unterrichts zur praktischen Anwendung kommt. Hier wird der Umgang mit einheimischen Jungbäumen und deren Pflege erlernt.
  3. Jeder Student bekommt einen Fruchtbaum, den er zu Hause bei seiner Familie anpflanzen kann. Die Schüler sind aufgefordert diesen Baum zu bewässern und zu pflegen, damit sie später die Früchte ernten können. Gleichzeitig soll der Gedanke der Aufforstung in die Familien getragen werden.
  4. Aufforstungsaktion mit einheimischen Bäumen in der Umgebung der Koyo-Schule zusammen mit den Eltern und der  Dorfgemeinschaft.  Eine erste Aktion ist für Juni 2012 geplant. Die Setzlinge werden von der von Green Ethiopia betriebenen Baumschule in Weliso bezogen.

Außerdem  wurde der Aufbau einer eigenen Baumschule auf einer natürlichen Insel im Fluss in der Nähe der Schule anvisiert. Hier sollen in Zukunft die Setzlinge für weitere Aufforstungsaktionen in der Umgebung gezogen werden, so dass ab 2013 hier die Setzlinge für weitere Aufforstungsaktionen der Umgebung produziert werden können. Die Baumschule soll von den Schülern unter der Leitung eines Verantwortlichen  der Dorfgemeinschaft  bewirtschaftet werden. Da der Unterricht in der Schule nur bis zur Mittagszeit geht, würde diese fakultative Arbeit dem Unterricht nicht im Wege stehen. Das Gelände wurde bereits besichtigt und eignet sich hervorragend für diesen Zweck.

Alle auf diesem Treffen beschlossenen Maßnahmen müssen nun von der Dorfgemeinschaft und der Schulleitung in einem schriftlichen Antrag mit Kostenkalkulation und Zeitplan für die Aufgaben zusammengefasst werden. Außerdem gilt es die Genehmigung der zuständigen Administration in Wonchi für das Projekt einzuholen.

Nachbereitungstreffen am 10.01.2012 Addis Abeba

Teilnehmer: Axel Steinhagen – Projektmanager VivaHumanida, Mr. Wondimu  - Vertreter der Dorfgemeinschaft ,    Mr. Wako – Koordinator

Es wurden das Treffen vom  5.1.2012 ausgewertet und die nächsten Schritte für die Realisierung der beschlossenen Maßnahmen festgelegt. Dabei wurde besonders auf die Anforderungen des Antrages für die schriftliche Fixierung des gemeinsamen Projektes eingegangen. Ein genauer Zeitplan für die auf dem Treffen vom 5.1.2012 beschlossenen Maßnahmen mit Kostenkalkulation wird von Mr.Wondimu im Auftrag der Dorfgemeinschaft und der Schulleitung vorbereitet.

Für den 17.01. wurde ein zweites Treffen mit Vertretern des Ältestenrates der Dorfgemeinschaft und dem Chef des Landwirtschaftsministeriums für die Region an der Koyo-Schule vereinbart. Ziel ist es, alle lokalen Entscheidungsträger zu erreichen und die erforderlichen Genehmigungen von der zuständigen Verwaltungsbehörde zu bekommen.

Ich werde also am Montag dem 16.01. wieder „on mission“ sein. Zunächst besuchen wir den Leiter des Landwirtschaftsbüros in Wonchi um dann am Dienstag zum Treffen in Koyo zu sein. 
Zusammengefasst lässt sich sagen, dass alle Seiten sehr engagiert an der Verwirklichung des Projektes „one tree fort he future“ arbeiten. Besonders glücklich ist dabei die Kooperation mit Green Ethiopia, die als kompetenter und erfahrender Partner die Betreuung  des Projektes vor Ort übernehmen werden. Es gibt viele Gemeinsamkeiten zwischen den beiden Stiftungen in Bezug auf Projektphilosophie und Arbeitsweise. Auch bei dieser Stiftung hat die Einbeziehung der örtlichen Bevölkerung  und der Aufbau  selbstverwalteter und eigenverantwortlicher Projektstrukturen oberste Priorität.

Ich bin voller Hoffnung, dass wir mit „one tree for the future“ ein zukunftweisendes und erfolgreiches Projekt für die Schüler der Koyo-Schule und die Dorfgemeinschaft ins Leben gerufen haben.

Mit optimistischen Grüßen
Axel Steinhagen/VivaHumanidad e.V.
Addis Abeba, 11.01.2012