Kooperation zwischen Günter Quentin (Internationaler Landschaftsarchitekt) und VivaHumanidad e.V.
Addis Ababa 11.02.2012

Vorgeschichte: Die Schüleranzahl hat sich seit meinem letzten Besuch(Jan 2011) um 76 Schüler erhöht. Die vorhandenen Klassenräume können die Schüler kaum noch fassen. Es müssen sich mitunter vier Schüler eine Bank teilen. Da unter diesen Umständen kein effizientes Lernen möglich ist, besteht hier dringender Handlungsbedarf. Gleichzeitig bietet sich die Möglichkeit die neuen Klassenräume besser zu gestalten, so dass  die Lernbedingungen nachhaltig verbessert werden.

Durch eine gemeinsame Bekannte hatte ich Kontakt zu dem deutschen Architekten Günter Quentin erhalten, der seit vier Jahren ein eigenes Architekturbüro in Addis Ababa betreibt. Herr Quentin gilt in Deutschland als  Erfinder der Grasdächer und ist ein Experte für ökologische Architekturkonzepte.


Am 14.01.2012 besuchte ich mit Günter Quentin die Koyo.Schule. Nach Besichtigung der Schule und anschließender  Besprechung mit der Schulleitung erklärte er sich bereit neue Klassenräume für die Koyo-Schule zu entwerfen. Die Maßgabe war dabei sich an den vorhandenen  Gebäuden zu orientieren und diese in Bezug auf Statik, Lichtverhältnisse und klimatische Bedingungen zu verbessern.

Am 27.01.2012 gab es ein zweites Treffen auf dem Herr Quentin bereits die kompletten Baupläne der Schulleitung und der Dorfverwaltung präsentieren und erläutern konnte. Im Verlauf dieses Treffens wurden zunächst die Probleme bei den bestehenden Gebäuden erläutert. Schwachstellen sind hier zum einen  das fehlende Fundament, die unzureichende Statik, die Lichtsituation und das Wellblechdach, welches sich bei Sonneneinstrahlung  aufheizt und bei Regen einen ohrenbetäubenden Lärm verursacht.

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Im neuen Entwurf werden  die hölzernen Grundpfeiler des Gebäudes in einzelnen Fundamenten im Boden verankert. Dadurch wird verhindert, dass die Pfosten durch Witterungseinflüsse beschädigt werden. Die Statik des hölzernen Grundgerüstes wird durch Diagonalen verstärkt. Um einen optimalen Lichteinfall zu gewährleisten wurde die Form des Gebäudes so angelegt, dass spezielle Lichtfenster aus Plaste in die höhere der Sonne zugewandten Seite eingearbeitet werden. Das Wellblechdach wird mit Gras bepflanzt, was zum einen die klimatischen Bedingungen im Klassenraum erheblich verbessert und zum anderen den Lärm durch niedergehenden  Regen  abstellt. Außerdem wird das Regenwasser dadurch gefiltert und kann zur Bewässerung eines Schulgartens und zum Waschen verwendet werden. Die Flächen zwischen dem Pfeilern des Holzgerüstes werden mit Lehmbausteinen gefüllt, die von den Dorfbewohnern selbst hergestellt werden können. Dadurch werden die Kosten für Baumaterialien gering halten und die traditionelle Lehmbauwiese wird  bei behalten.

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Der Aufbau soll in Zusammenarbeit mit der Dorfgemeinschaft verwirklicht werden, die für die Arbeiten sieben Hilfskräfte bereitstellt. Für spezielle  Arbeiten wie: Fundament, Holzkonstruktionen, Dach und Verputzung  muss ein lokales Bauunternehmen hinzu gezogen und finanziert werden. Die meisten Baumaterialien können auf dem lokalen Markt in der nahegelegenen Stadt Weliso gekauft werden. Da der Transport mit Kleinlaster auf dem letzten Stück des Weges nicht möglich ist, müssen die Baumaterialien teilweise mit Eseln zur Baustelle transportiert werden.  Auch diese Arbeiten werden von der Dorfgemeinschaft unentgeltlich übernommen.

Die Bauleitung sowie die Verhandlungen mit örtlichen Baufirmen übernimmt Herr Günter Quentin und sein Architekturbüro. Ein großes Dankeschön gebührt an dieser Stelle Günter Quentin der sein gesamtes Engagement für dieses Projekt als Spende zur Verfügung stellt. Alle anderen Kosten werden von Viva Humanidad e.V. übernommen. Eine genaue Kostenkalkulation basierend auf lokalen Preisen wurde von Günter Quentin für die Verhandlungen mit potentiellen Baufirmen erstellt.

Es wurde gegenüber unseren äthiopischen Projektpartnern ausdrücklich betont, dass wir unser  Engagement als Entwicklungszusammenarbeit verstehen, was die Einhaltung der gemachten Absprachen und die Mitarbeit von Dorfgemeinschaft und Schulleitung beinhaltet. Daraufhin wurde von mir eine Vereinbarung für dieses Projekt in englischer Sprache erarbeitet, in der alle auf den Versammlungen mit den Projektpartnern gemachten Absprachen und Bedingungen zusammenfasst sind.

Unterzeichnung_des_agreements


Der Baubeginn wurde für März 2012 anvisiert.

Am 3.2.2012 gab es ein erstes Sondierungs-Gespräch mit einem Bauunternehmen aus Addis Ababa. Anwesend waren Vertreter der Koyo-Schule, Günter Quentin und ein Mitarbeiter seines Büros, Axel Steinhagen (VivaHumanidad) und zwei Vertreter der Baufirma. Die detaillierten Baupläne wurden dieser Baufirma am 6.2. übergeben.

Am 10.2. 2012 lag diese Kalkulation  vor. Lieder wurde von dieser Firma ein unakzeptables Angebot unterbreitet, da die veranschlagten Preise, um das Vierfache von den üblichen Preisen abweichen. Es kommt   leider vor das Preise in die Höhe getrieben werden,  sobald ausländische Geldgeber im Spiel sind.

Ein anderes Bauunternehmen ist bereits kontaktiert.

Axel Steinhagen